Es war einmal…

 

Die Geschichte des Spielmannszuges Listerscheid:

 

Als am Morgen des 21. August 1910 das Leben im Ihnetal erwachte,

konnte noch niemand erahnen, dass an diesem historischen Tag

der Spielmannszug Listerscheid ins Leben gerufen würde.

An jenem Abend traf sich die im Jahr zuvor gegründete freiwillige Feuerwehr

zur Generalversammlung im Wacholderhäuschen in Petersburg.

Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt,

aus Mitgliedern der Feuerwehr ein kleines Musikkorps zu gründen.

Otto Budde, Eduard Teipel, Otto Lahme, Hugo Kröger, Friedrich Kröger,

August Schulte, Johann Bieker und Heinrich Schulte waren von der Idee sehr angetan.

Sie beschlossen zunächst, sich in Katalogen über mögliche Instrumente zu informieren,

um daraus später eine Auswahl zu treffen.

 

Dies waren: 3 kleine Trommeln, 4 Querflöten sowie ein Tambourstab,

welche von den Gründungsmitgliedern aus eigener Tasche bezahlt wurden.

 

Damit man auch zukünftig auf Festen spielen konnte,

traf man sich regelmäßig zur Probe im Wacholderhäuschen.

Aber Proben vor hundert Jahren hieß nicht,

sich konsequent der musikalischen Bildung hinzugeben,

sondern eher in gemütlicher Runde beim gepflegten Skat-Spiel

auch den einen oder anderen zu heben

und dabei genüsslich die eine oder andere Zigarre zu konsumieren.

Aber um überhaupt musikalisch aktiv zu werden,

musste erst mal ein Machtwort gesprochen werden.

 

Auch personell wurde die Korpsstärke vergrößert durch Zugang von neuen Musikern

Durch die vergrößerte Mannschaft und die neuen Instrumente

war es nun möglich neue Musikstücke zu spielen.

 

Zur damaligen Zeit wurde das sogenannte Musikkorps durch Tambourmajor Eduard Teipel geführt.

Einen 1. Vorsitzenden gab es nicht.

Dieses Amt wurde vom 1. Brandmeister und Feuerwehrleiter Gottfried Langenohl ausgefürt.

 

Nach dem 1. Weltkrieg, Anfang der 20er Jahre war es für die Weltbevölkerung nicht leicht.

Dies musste auch unser Spielmannszug feststellen.

Da die Trommelfelle erneuert werden sollten,

wurde für diesen Zweck eine Sammlung abgehalten,

welche eine Summe von 1.040 Mark ergab.

 

Dies entspricht heute etwa 3.640€.

Jedoch musste man später feststellen, dass ein Trommelfell 1.000 Mark,

also 3.500€ kosten sollte.

 

Man entschloss sich jedoch trotz der hohen Kosten die Anschaffung zu tätigen,

da der Spielmannszug das Aushängeschild der Wehr war.

 

In den 30-jahren herrschte ein reger Übungsbetrieb und das Engagement der Kameraden diente,

wie man aus den Protokollen der Feuerwehr entnahm, „als Muster der Wehr“,

da die Übungsabende immer regelmäßig und vollzählig besucht wurden.

 

Belohnt wurden diese Bemühungen durch erfolgreiche Teilnahmen an Wettstreiten,

welches den ehemaligen Tambourmajoren Otto Budde,

Franz Kliemann und Emil Kröger zu verdanken ist.

Bis zum Ende der 30-Jahre führten Musikkorps und Feuerwehr eine gemeinsame Kasse.

Kurz danach mussten die Aktivitäten des Spielmannszuges

sowie das öffentlichen Lebens für über 11 Jahre zum erliegen kommen,

als die größte Katastrophe, der 2. Weltkrieg, über die Welt hereinbrach.

Dieser endete im Mai 1945.

 

Mit „Ich hatt ein Kameraden“ gedenken wir noch heute jedes Jahr am Ehrendenkmal den im Krieg Verstorbenen Kameraden.

 

Der Neuaufbau des Spielmannszuges ereignete sich Anfang der 50er Jahre.

In dieser Zeit traten unsere heutigen Alterskameraden Gerhard Strautz

und Walter Stumpf in die Laufbahn des Spielmannzuges ein.

 

Gerhard „Hussar“ Strautz galt als „Fundament“ der ersten Stimme

und hatte seinen Stammplatz immer in der ersten Reihe.

Er war sozusagen unser Stammspieler rechts außen.

Walter, unser heutiger Ehrenvorsitzender,

widmete sich damals dem Schlagzeug

und leistete über 23 Jahre intensive Vorstandsarbeit.

Na so konnte ja nichts mehr schiefgehen.

Mit Gerhard und Walter im Gepäck nahm man Anfang der 60er Jahre an verschieden Wettstreiten teil. Zum Beispiel in Andernach, auch heute noch reges Gesprächsthema,

erspielte sich der Spielmannszug unter der Leitung von Emil Kröger den Ehrenpreis.


Weiter Auszeichnungen folgten,

welche im Feuerwehrhaus ausgestellt sind.

 

Und auch unser 3. Alterskamerad Herbert Schulte,

vielen bekannt unter dem Namen „Borg“,

trat in den 60er Jahren dem Spielmannszug bei

und ging schon ein Jahr später allen als Tambourmajor voraus

In den 70er Jahren wurde das Instrumentarium des Spielmannszuges erweitert.

Josef Fernholz war der erste Stabspieler am Instrument Lyra in der Geschichte des Spielmannszuges.

 

Sodann, 75 Jahre nach der Gründung des Spielmannszuges

begann der große Umzug vom Wacholderhäuschen

in das neu ausgebaute Feuerwehrhaus.

Ein weiterer Meilenstein im Leben des Spielmannzuges war erreicht.

Im Rahmen einer großangelegten Nachwuchswerbung,

in Form einer offenen Tür, war man entschlossen,

diese erstmalig auch für Frauen zu öffnen.

 

Was heute für alle selbstverständlich

und auch ohne gar nicht mehr vorstellbar ist,

war 1994 etwas Ungewöhnliches.

Diese Entscheidung sorgte im Tal für große Resonanz:

20 Jugendliche, darunter 8 Frauen, starteten ins Vereinsleben.

Die Frauen waren nun also auch im Vereinsleben integriert

und bereichern seit dem den Spielmannszug paradoxerweise

mit tiefen Alt- und Tenorstimmen und so manchen lustigen Launen.

 

Auch kam jetzt so mancher Schwung in das Vereinsleben.

Diverse Nachwuchsaktivitäten wie Zeltlager wurden durchgeführt.

Gerne erinnert man sich an Uelhof oder Rinkscheid.

 

Apropos Rinkscheid:

Im Jahr 2003 spielte der Spielmannszug über 50 Jahre lang auf dem dortigen Schützenfest!

 

Seit 2006 geht es im Verein drunter und drüber:

Begriffe wie Intensivwochenende, Planungskonzepte für Konzertvorbereitungen,

Registervortrag, aber auch: Marimba, Cowbell, Chimes oder Woodblock machen die Runden.

Die Rede ist vom Stabführerwechsel,

als Herbert Schulte nach über 30 Jahren den Tambourstab an Sven Teipel weitergab.

Aber nicht nur das wirbelte den Spielmannszug auf.

Auch manche rege Diskussion über neue Kopfbedeckungen wurden entfacht.

So entschied man sich 2008 die guten Schirmmützen gegen Baretts einzutauschen.

 

2010 feierte unser Spielmannszug sein 100 jähriges Bestehen,

dieses begann mit einem eigenständigen Konzert im Mai und

endete mit einem spektakulären Feuerwerk zum Open-Air-Fest

im August im Steinbruch in Listerscheid.

 

2013 hat Chris Kebben das Amt des Stabführers von Sven Teipel übernommen,

da dieser leider aus beruflichen Gründen zurücktreten musste.